19
Ma
Allerlei...
19.05.2021 11:50

Hihi, der Titel erinnert mich ein bisschen an die Geschichte von Allerleirauh, eines der wenigen Grimm-Märchen, welches mir als Kind sympathisch war, weil viel um versteckte Schönheit ging... :)

Ach ja, meine Hassliebe zum Digitalen... Einerseits total fasziniert von der Technik, mitunter auch von neuen Spielereien, andererseits stosse ich auf völliges Unverständnis, wenn ich das Smartphone eiiiinmal zu Hause vergesse und dann für einige Stunden nicht erreichbar bin.

Jetzt mal ehrlich: Wir hängen alle viel zu oft an den Teilen, mich ollen Daddelgamer da selbstverständlich mit eingeschlossen.
Anfangs habe ich beispielsweise eine Hand voll lieber Leute auf twitter seit meinem Abgang da sehr schmerzlich vermisst und ich denke heute noch sehr viel an sie – twitter selbst wiederum vermisse ich nicht, keineswegs. Ich mag den zunehmenden Konsumtenor und die 24-Stunden-Challenges im Dauerempörtsein einfach nicht. Und auch die digitalen Auftritte für meine Wohngemeinde mache ich eher innerlich murrend, mehr um jemandem zu helfen und Arbeit abzunehmen, als aus Spass an der Freude.

Derzeit hat mich der Alltag allgemein fest im Griff. Ich leiste aktuell mit vielen Kolleginnen und Kollegen auf der Pflegheimstation sehr viel  an Überzeit, da wir seit längerer Zeit einige Krankheitsausfälle haben. Meine Gedanken sind oft bei jenen Teammitgliedern. Ich hoffe so sehr, dass es ihnen gut geht und sie sich erholen! Und auch um die Anderen auf der Station sorge ich mich, denn sie leisten Grosses und so viel... Von unseren Heimbewohnerinnen und Heimbewohnern ganz zu schweigen... Leider kann ich oft nicht mehr tun als einfach mehr zu arbeiten.

Wenn ich nicht gerade arbeite, verbringe ich Zeit mit der Familie, oft bis tief in die Nacht. Oder ich erledige halt Sachen im Haushalt, oder mache mich in der Wohngemeinde unbeliebt, wenn ich mich mit Behörden anlege, um Anwohnern Gehör zu verschaffen usw.

Und über all dies versuche ich Gott weiter im Zentrum zu behalten, mich oft darüber ärgernd, dass ich vor lauter Erschöpfung mit dem Rosenkranz in der Hand einschlafe und oft nicht ganz so viel zu beten vermag, wie ich es gerne würde. Mein Kopf fühlt sich derzeit sehr voll an und das ärgert mein Herz oft...

Seit Beginn des Noviziats fühle ich mich noch stärker Versuchungen und Prüfungen ausgesetzt, teilweise in Themen, die vorher nie ein Problem waren. Ich kämpfe oft gegen mich selbst und bin zutiefst betrübt über all das Schlechte an und in mir und versuche es doch weiter, immer weiter, immer wieder neu. Ich will Dinge richtig machen, denn das Gute, durch das sich der HERR in der Welt zeigt, ist mir heilig und wichtig. Selbst wenn er mich als tiefsten Sünder liebt und wir nicht durch Werke gerettet werden, so will ich dennoch versuchen mich an seine Gebote zu halten und meinen Nächsten eine Freude sein.
Der Weg ist ein Kampf, aber es ist der richtige Weg, das fühle ich, so oft ich auch kläglich scheitere.

All diese Faktoren haben zur Stille auf diesem Blog beigetragen. Abseits dieser Seite war und ist es sehr laut und alles andere als ruhig.
Ich schreibe gerne, sehr gerne. Auch wenn ich mir kaum vorstellen kann, dass mein Getippsel ernsthaft jemanden interessiert... Ich schreibe, weil es mir Freude bereitet. Weil es mir hilft all das laute Chaos, das sonst nur still in meinem introvertierten Hirn wie ein Tornado wütet, ein wenig zu ordnen. Ich schaue auch gerne auf schöne Momente zurück, von denen es jeden Tag so viele gibt.

 

Firmung in der Rheinauer Klosterkirche
Studien im Klara-Saal, Kloster Näfels
Lourdesgrotte bei Schmerikon
frisch gestrichen...

Ja, die Monate flogen nur so dahin und ich könnte Allerlei berichten...

Beispielsweise von der Firmung, die Ende Jänner endlich nachgeholt wurde – ausgerechnet an genau jenem Ort, an dem ich zum Glauben fand.

Oder von meinem anhaltenden Lernen, auf dem franziskanischen Weg. Immer wieder steht im Zentrum sich auf die Lehren Jesu zu besinnen und mich Gott mit allem hinzugeben, was ich bin, inklusive allem, was ich an mir nicht sehr wertschätze.
Ich bin unendlich dankbar für die Weggefährtinnen und Weggefährten, die mir geschenkt, allen voran meine Familie. Ich denke derzeit viel an meine Mutter, die sich mit auf den Weg macht... Was für ein wunderbares Geschenk! Auch all die prägenden Höhen und Tiefen der franziskanischen Gemeinschaft beschäftigen mich oft, ich denke und bete für so manches Mitglied auf dem Weg.

Die Schönheit der Schöpfung ist mir gerade im Frühling so oft Freude und Trost in grauen, kalten Tagen. Wobei selbst diese Tage etwas sehr Schönes an sich haben... Meine liebste Blume ist das unscheinbare, zarte Wiesenschaumkraut – im Zürcher Dialekt oft als "Bettseicherli" abgewertet. Und so manches, weisses Federlein bescherte mir am Wegesrand als himmlisches Zeichen ein Lächeln, ebenso wie so manche Katze, die auf meinen Wegen gestreichelt werden wollte. Und vorgestern strahlte sogar ein prachtvoller, doppelter Regenbogen am Himmel, gerade als meine Schicht auf der Station zu Ende war.

Leuchtend Blau erstrahlen auch wieder die Wände in meinem Zimmer. Nach 13 Jahren war die Farbe inzwischen sehr verblasst und so wurden sie nun neu gestrichen... Parallel dazu wurde das gesamte Zimmer etwas aufgefrischt und aufgewertet, vor allem mit luftiger Gestaltung. Hab viele Dinge losgelassen, fand ich sehr schön.

Ich liebe Blau, die Farbe des Himmels und des Meeres. Die Farbe unserer geliebten Mutter Maria. Die Farbe der Treue und der Tiefe.
Darum ist jetzt auch der Blog blau und nicht mehr nur eine Kopie eines Ideals. Carlo Acutis ermahnte uns dazu, dass wir Originale bleiben. Auf meinem franziskanischen Weg begegnet mir immer wieder die Herausforderung der Selbstliebe und der Achtung der göttlichen Liebe in mir; so versuche ich meine Attribute zu akzeptieren und sie mit einer natürlichen Annahme einzubringen, ohne mich durch persönliche Vorstellungen selbst zu verbiegen.

 

Um mit etwas Humor zu schliessen... ;)

P.O.D. – Strenght of my Life

Kommentare